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Reisebericht

Tiergarten Schönbrunn

Zu Besuch im ältesten Zoo der Welt
April 2026 | Tiergarten Schönbrunn, Wien
1752 ließ Habsburg-Kaiser Franz I. in den Gärten von Schönbrunn einen Tiergarten errichten.
274 Jahre später hat er immer noch geöffnet.
Große Pandas knabbern vor roten Mauern an Bambus, Seelöwen dösen auf Felsen, jadegrüne Schmetterlingspuppen hängen an Zweigen und warten auf ihre Verwandlung.
Dies ist der älteste noch bestehende Zoo der Welt — und mehrfach zum besten Zoo Europas gewählt.
Eingang zum Tiergarten Schönbrunn
„Willkommen im besten Zoo Europas"

1. Der Zoo des Kaisers

Die Geschichte des Tiergarten Schönbrunn reicht bis ins Jahr 1752 zurück. Kaiser Franz I. des Heiligen Römischen Reiches gab den Bau in Auftrag — ursprünglich als private kaiserliche Sammlung exotischer Tiere. Er ist 76 Jahre älter als der Londoner Zoo und 92 Jahre älter als der Berliner Zoo.

Beim Betreten des Geländes fällt sofort das barocke Strahlendesign auf — alle Gehege erstrecken sich vom zentralen Pavillon nach außen wie ein aufgefächerter Fächer. Im 18. Jahrhundert war dies so angelegt, damit der Kaiser von der Mitte aus alle Tiere überblicken konnte; heute sorgt es dafür, dass Besucher, egal aus welcher Richtung sie kommen, immer wieder zum Mittelpunkt zurückfinden.

Eintrittskarten und Lageplan Übersichtskarte des Tiergartens
Links: Eintrittskarte 29 Euro + Lageplan | Rechts: Übersichtskarte mit der strahlenförmigen Anlage
Praktische Informationen
Eintritt: Erwachsene 29 €, Kinder (6–18 Jahre) 17 €
Öffnungszeiten: April–September 9:00–18:30, Oktober 9:00–17:30, November–Januar 9:00–16:30
Kombiticket: Zoo + Palmenhaus + Wüstenhaus 35,50 €
Website: zoovienna.at

2. Große Pandas — Die Stars des Zoos

Der Tiergarten Schönbrunn ist einer der wenigen Zoos in Europa, die Große Pandas beherbergen — und der einzige in Europa, dem die natürliche Zucht von Pandas gelungen ist. Der Zoo arbeitet seit langem mit dem chinesischen Panda-Schutzzentrum zusammen; am Eingang erzählt eine Informationstafel ausführlich die Geschichte dieser internationalen Artenschutz-Kooperation.

Als wir dort waren, lag der Große Panda auf seinem Holzgerüst vor der roten Mauer und schlief tief und fest. Überall lagen Bambusstangen verstreut, und er ignorierte die begeisterten Besucher hinter der Glasscheibe vollkommen. Das ist wohl das Privileg des Zoo-Stars — schlafen, wann man will, die Fans schauen von allein.

Schlafender Großer Panda Großer Panda aus anderem Blickwinkel
Tief schlafender Großer Panda vor der roten Mauer — überall Bambus, die Fans werden ignoriert
Entwicklungstafel des Großen Pandas
Entwicklung des Großen Pandas — von 100 Gramm bei der Geburt bis 100 Kilogramm im Erwachsenenalter

3. Seelöwen — Die entspanntesten Bewohner

Wenn die Großen Pandas die Stars des Zoos sind, dann sind die Seelöwen die entspanntesten Bewohner. Als wir am Seelöwenbecken vorbeikamen, lag einer ausgestreckt auf einem Felsen und nahm ein Sonnenbad — in einer beneidenswert lässigen Pose. Die Sonne schien auf sein glattes Fell, die Augen zu schmalen Schlitzen zusammengekniffen — vollkommen angekommen im Zustand des „Wozu sich anstrengen?".

Seelöwe beim Sonnenbaden Seelöwe Nahaufnahme
Wozu sich anstrengen? — Die Sonnenbad-Philosophie der Seelöwen

4. Flamingos, Giraffen und weitere Nachbarn

Die Flamingogruppe im Zoo bringt jeden zum Stehenbleiben. Dutzende rosafarbene Gestalten versammeln sich am Teichrand — manche mit gesenktem Kopf beim Fressen, manche auf einem Bein stehend, manche beim Putzen ihres Gefieders. Ihr Rosa leuchtet besonders vor dem Hintergrund des grünen Wassers.

Flamingogruppe
Dutzende Flamingos am Teichrand — das Rosa leuchtet vor dem grünen Wasser besonders intensiv

Das Giraffengehege liegt am anderen Ende des Geländes — selbst hinter dem Zaun spürt man die beeindruckende Wirkung ihrer Größe. Nicht weit davon entfernt liegt der Bärenbereich — eine liebevoll gestaltete Infotafel stellt Eisbär, Braunbär, Brillenbär und Nasenbär nebeneinander und vergleicht ihre Größe, damit auch kleine Besucher den Überblick behalten.

Giraffe Bären-Vergleichstafel
Links: Giraffen — selbst hinter dem Zaun beeindruckend | Rechts: Eisbär, Braunbär, Brillenbär, Nasenbär — kannst du sie unterscheiden?

5. Waldrapp — Vom Rand des Aussterbens zurückgeholt

In einer eher unscheinbaren Ecke des Zoos lebt der Waldrapp (Northern Bald Ibis). Dieser eigenartig aussehende Vogel war einst in ganz Europa verbreitet, doch bis zum 17. Jahrhundert war er auf dem Kontinent nahezu ausgestorben.

Der Tiergarten Schönbrunn beteiligt sich am internationalen Artenschutzprogramm „Reverse the Red" — Waldrappe werden im Zoo gezüchtet und anschließend in den Alpen ausgewildert. Auf der Infotafel steht: „Im Tiergarten Schönbrunn gezüchtet, damit sie in die Alpen zurückkehren können." Das ist vielleicht die ruhigste, aber auch die bewegendste Ecke des ganzen Zoos.

Waldrapp-Infotafel
Waldrapp — „Im Tiergarten gezüchtet, damit sie in die Alpen zurückkehren"

6. Jadeperlen — Schmetterlingspuppen

Im Regenwaldhaus ist nicht etwa die bunte Schmetterlingspracht das Erstaunlichste, sondern die Puppen, die an Zweigen hängen.

Dutzende jadegrüne Puppen reihen sich ordentlich an einer Querstange auf und glänzen im Licht wie eine Reihe Smaragde. Manche sind noch vollständig grün, andere beginnen sich bereits zu verfärben und aufzubrechen — der Schmetterling darin steht kurz vor dem Schlüpfen. Daneben hängen leere, graubraune Hüllen bereits geschlüpfter Falter wie ausgepackte Geschenke.

Es ist der kleinste und zugleich großartigste Moment des Lebens — konzentriert auf einer kaum einen Meter langen Stange.

Schmetterlingspuppen Schmetterlingspuppen aus anderem Blickwinkel
Jadegrüne Schmetterlingspuppen — der kleinste und zugleich großartigste Moment des Lebens

7. 274 Jahre Architektur und die Spuren der Zeit

Das Besondere am Tiergarten Schönbrunn ist das Nebeneinander von Alt und Neu. Manche Steingebäude sind im Original aus dem 18. Jahrhundert erhalten — verwitterte Steinmauern, überwachsen mit Efeu; gleich daneben stehen moderne Tiergehege mit Glas und Stahlkonstruktionen, die komfortables Beobachten ermöglichen.

Eine Informationstafel fällt besonders auf: „Historischer Käfig — Wussten Sie, dass Großkatzen bis 1993 in diesem historischen Käfig gehalten wurden?" Vom kaiserlichen Raubtiergehege zum modernen Artenschutzzentrum — dieser Zoo hat in 274 Jahren die gesamte Entwicklung der Mensch-Tier-Beziehung durchlaufen.

Historisches Gebäude Historischer Käfig Infotafel
Links: Steingebäude aus dem 18. Jahrhundert, efeubewachsen | Rechts: „Großkatzen lebten hier bis 1993"
Kinder beobachten Tiere
Kinder mit roten Mützen drücken ihre Nasen an die Scheibe — dieses Bild hat sich in 274 Jahren wohl kaum verändert

8. Palmenhaus — Letzte Station im kaiserlichen Garten

Direkt neben dem Zoo steht das beeindruckende Palmenhaus, ein 1882 erbautes Stahl-Glas-Gebäude und eines der größten Gewächshäuser Europas. Es ist zwar nicht im Zoo-Eintritt enthalten (Kombiticket 35,50 €), aber wenn man schon einmal da ist, lohnt sich ein Blick. Die Fassade funkelt im Sonnenlicht und gehört zu den fotogensten Bauwerken in den Schönbrunner Gärten.

Palmenhaus
Palmenhaus — das 1882 erbaute Stahl-Glas-Gebäude funkelt im Sonnenlicht

9. Der Alltag der Tiere (Videos)

Fotos halten Augenblicke fest, aber einen Zoo erlebt man erst durch Videos richtig.

Alltag im Zoo
Nachdem die Elefantenmutter ihren Kot abgesetzt hat, eilt das Kalb sofort herbei — das ist kein komischer Zufall, sondern eine Überlebenslektion. Der Darm eines neugeborenen Elefanten ist nahezu steril und muss durch die Aufnahme des mütterlichen Kots nützliche Bakterien erwerben, um eine gesunde Darmflora aufzubauen. Dieses Verhalten ist sowohl in der Wildnis als auch in Zoos verbreitet und ein unverzichtbarer Teil der Entwicklung junger Elefanten.

Nachwort

Als wir den Zoo verließen, waren fast drei Stunden vergangen. Die Füße etwas müde, aber die Stimmung bestens.

Vor 274 Jahren war dies die Privatsammlung eines Kaisers; heute ist es ein moderner Zoo, der Artenschutz ernst nimmt und Geschichten erzählt. Vom kaiserlichen Raubtiergehege zum Waldrapp-Auswilderungsprogramm, vom historischen Käfig zur Glasscheibe — dieser Zoo zeigt mit seiner eigenen Geschichte den Wandel in der Beziehung zwischen Mensch und Tier.

Und die Kinder mit den roten Mützen, die Nasen an die Scheibe gedrückt — sie sind wohl die beste Zukunft dieses Zoos.

Der älteste Zoo der Welt, nach 274 Jahren noch immer voller Leben.
Vielleicht kann er gerade deshalb so jung bleiben, weil er so alt ist.