Das Gebäude des Wiener Musikvereins ist für Musikliebhaber weltweit ein Heiligtum. Hier findet jedes Jahr das berühmte Neujahrskonzert im Goldenen Saal statt. Unser Auftritt fand im Gläsernen Saal statt — ebenfalls eine offizielle Spielstätte des Musikvereins, bekannt für seine goldenen Wände, das transparente Glasdesign und eine hervorragende Akustik.
„Europe-Taiwan 2026: Leaders' Voices in Vienna" — so lautete der offizielle Name des Konzerts. Für uns aber hatte es einen anderen Namen: „Traumerfüllung".
Zehn Monate zuvor hatten Coco 素蕙學姊 und 淑芳學姊 begonnen, alles zu organisieren. Von der Kontaktaufnahme mit dem Musikverein über die Reiseplanung und die Einladung der Auslandstaiwanesern und Studierenden der Wiener Kunstuniversität bis hin zu unzähligen Proben und Abstimmungen — wie viel unsichtbare Arbeit dahintersteckt, wissen nur diejenigen, die den Weg mitgegangen sind. Sie haben einen „Wenn irgendwann einmal ..."-Traum Schritt für Schritt Wirklichkeit werden lassen. Wir alle, die hier standen, wussten: Diese Dankbarkeit wiegt schwerer als jeder Applaus.
Unsere Mitglieder der Erhu-Gruppe — 妙彥學姊, 卞老闆 und Simon — traten gemeinsam auf die Bühne. 思捷老師 arrangierte die Stücke für uns, und 聖潔老師 übernahm die Chorleitung und musikalische Betreuung, was dem gesamten Klangbild eine vielschichtige Tiefe verlieh.
Bei „Mondlicht in der Stadt" (城裏的月光) war der Gesang der Seniorinnen und Senioren warm und voll, und die Erhu schlängelte sich hindurch und erzeugte eine ganz besondere Geborgenheit. „Chrysanthementhron" (菊花台) erinnerte an die Geschichten, die uns Reiseführer 豐豐 kurz zuvor bei der Schlossbesichtigung über die Kaiserfamilie erzählt hatte — die Schwere der Geschichte und die Zartheit der Musik verschmolzen an jenem Nachmittag auf wundersame Weise.
Nach dem Auftritt kamen mehrere Zuhörer auf uns zu und fragten nach diesem Instrument. Für viele europäische Zuschauer war es das erste Mal, dass sie eine Erhu mit eigenen Augen sahen und mit eigenen Ohren hörten.
Die Erhu ist eines der repräsentativsten traditionellen Streichinstrumente Chinas und blickt auf eine über tausendjährige Geschichte zurück. Sie hat nur zwei Saiten, der Resonanzkörper ist mit Pythonhaut bespannt, und beim Spielen gleitet der Bogen zwischen den beiden Saiten hindurch. Trotz ihres scheinbar einfachen Aufbaus besitzt sie einen außerordentlich ausdrucksstarken Klang — sie kann das Klagen und Flüstern der menschlichen Stimme imitieren, aber ebenso leidenschaftliche, aufwühlende Melodien hervorbringen. Westliche Zuhörer beschreiben ihren Klang oft als etwas zwischen Violine und menschlicher Stimme, mit einer einzigartigen Durchdringlichkeit, die einen berührt, auch ohne ein Wort Chinesisch zu verstehen.
In diesem Tempel der westlichen klassischen Musik war der Auftritt der Erhu etwas ganz Besonderes. Die neugierigen Gesichter, die nach dem Konzert zu uns kamen — vielleicht sind sie der beste Beweis dafür, dass Musik alle kulturellen Grenzen überwindet.
Der wichtigste Moment des gesamten Konzerts war die Auslandspremiere des „NTU EMBA Alumni-Liedes". Dieses Lied ist das Herzenswerk von Coco 素蕙學姊, und in seinen Zeilen stecken die gemeinsamen Erinnerungen aller EMBA-Absolventen an ihre Studienzeit.
In Wien wurde dieses Lied zum 30. Mal aufgeführt, und das fiel genau auf das 30-jährige Jubiläum des NTU-EMBA-Programms. Das 30. Mal, das 30. Jahr, in Wien — ein Zufall, der nicht passender hätte sein können.
Der Auftritt im Musikverein war schon aufregend genug, doch Coco 素蕙學姊 hatte noch eine Überraschung: Sie organisierte es so, dass wir das Alumni-Lied auch in die taiwanischen Vertretungsbüros in Wien und Prag trugen. Wir trafen Botschafter Liu Hsuan-Yung (駐奧地利劉玄詠大使) und Botschafter Chen Li-Kuo (駐捷克陳立國大使), machten gemeinsame Fotos und nahmen zwei besondere Videos auf — als Geburtstagsgruß zum 30-jährigen Jubiläum des NTU EMBA.
Was von dieser Reise am meisten nachklingt, sind nicht nur die paar Stunden auf der Bühne, sondern die Tage, die wir gemeinsam mit unseren Seniorinnen und Senioren verbracht haben.
Gemeinsam Sehenswürdigkeiten besichtigen, zusammen fotografieren, zusammen essen, zusammen proben, zusammen durch den Zeitplan hetzen — die vielen kleinen Details abseits der Fotos sind der wertvollste und zugleich unterhaltsamste Teil der ganzen Reise.
Zwei Wiener Restaurants, die wir auf der Reise besucht haben und empfehlen können:
| Restaurant | Stadt |
|---|---|
| Das LOFT | Wien |
| Wiener Rathauskeller | Wien |
Schöne Zeiten vergehen wie im Flug. Doch beim Durchsehen der Fotos sind sie alle noch ganz deutlich da: das Bühnenlicht, das Lachen unterwegs, die Gesichter auf jedem Gruppenfoto.
Von Taipeh nach Wien, weiter nach Prag.
Wir sind nicht nur in die Welt hinausgezogen — wir haben in der Welt unsere eigene Stimme hinterlassen.